Johannesbernhardus’s Weblog

Jakobsweg Nummer Drei – Erster Tag: Roncesvalles – Burguete

Juni 6, 2008 · Kommentar schreiben

6.6.2008

Heute habe ich zum dritten Mal einen Jakobsweg begonnen, dieses Mal in Roncesvalles in Spanien.

Der erste war

von Madrid (!) nach Santiago

- ja da gibt es auch einen Jakobsweg und der hat ab Stadtgrenze von Madrid auch gelbe Pfeile- genauer gesagt, schon vom großen Platz beim Bahnhof Chamartin, „Plaza de Castilla“,  aus. Genaueres findet man hier im Blog an anderer Stelle und auf der Webseite der Madrider Jakobswegvereinigung http://www.demadridalcamino.org/ . Auf Englisch auch: http://www.csj.org.uk/route-madrid.htm

(und eine Planung in Wochenendetappen Madrid-Santiago mit Anreisemöglichkeiten für die Etappen auf einer Seite hier in diesem Blog)

und der zweite von St. Jean Pied de Port in Frankreich aus.

Aber dieses Mal habe ich vorher nicht zu Fuss trainiert, bin in der letzten Zeit fast nur noch Rad gefahren- und das Wetter schien auf der Nordseite der Pyrenäen heute auch recht schlecht zu sein.

Und deshalb dann ein bescheideneres Ausgangsziel: Roncesvalles auf der spanischen Seite der Pyrenäen.

Von Madrid- oder besser gesagt von Villalba aus- habe ich um 10.30 den Intercity nach Vitoria genommen, bin dort in einen Regionalexpress nach Pamplona umgestiegen und war um 17.00 Uhr, eine Stunde vor Abfahrt des täglichen Busses nach Roncesvalles, am Busbahnhof in Pamplona. Da warteten schon ungefähr 25 Rucksackträger auf die Abfahrt- und ein Mountainbikebesitzer mit vielen Packtaschen am Rad- der Bus nimmt jetzt auch Fahrräder mit. (Mehr zu Zugverbindungen und Fahrradmitnahme auf der Seite Zug in Spanien an anderer Stelle auf diesem Blog)

Beim Einsteigen spreche ich mit einer Gruppe von Französinnen, die nach 10 Tagen von Arcachon aus heute den Rückweg antreten und noch jemand suchen, der mit ihnen die Kosten für das Gruppentaxi von Roncesvalles nach St. Jean Pied de Port teilen will. Aber ich habe schon ein Zimmer in Burguete reserviert und will meine Pläne dann doch nicht mehr ändern.

Der Bus fährt die kurvenreiche Strecke im Regen nach oben, aber das Wetter wird mit zunehmender Höhe langsam besser, die ersten blauen Stellen im schwarzen Himmel werden sichtbar. In Roncesvalles verabschiede ich mich von der französischen Gruppe, ihr Urlaub ist zu Ende, aber im nächsten Jahr wollen sie den Weg weiter gehen.

Im Pilgerbüro bekomme ich den Pilgerausweis- ich brauche ihn zwar nicht für die Pilgerherbergen, da ich den weniger betuchten Pilgern nicht den Platz in den immer überfüllten kostenlosen oder fast kostenlosen Unterkünften wegnehmen möchte- aber Stempel will ich doch sammeln, um am Ende in Santiago noch eine der schönen lateinischen Urkunden zu bekommen., die „Compostela“…

Dann ein Besuch in der dunklen Klosterkirche- acht Minuten Beleuchtung kosten einen Euro- die dann hell wird, während ein Priester irgendwo in einer Kirchenbank beginnt, laut Ave Marias  zu beten, wohl zur Vorbereitung der Pilgermesse, die um acht anfangen soll.

Ich bleibe noch einen Moment, fühle mich dann doch durch das laute Gebet gestört und gehe raus, mache noch ein Foto einer alten kleinen Kirche draussen und verlasse dann diesen Pilgerort, der mir zu sehr auf Pilger hin angelegt ist, es gibt ausser den Klostergebäuden, einigen Restaurants mit Gästezimmern und der Pilgerherberge in einer alten Kapelle sonst wirklich nichts.

 

Auf einem wunderschönen Waldweg  gehe ich die drei Kilometer nach Burguete, bekomme mein Zimmer im komfortablen, aber preiswerten Hotel Loizu, in dem Hemingway einzukehren pflegte, esse zu Abend, leider allein am Tisch, wie es in Spanien zu meinem Leidwesen in Restaurants überall üblich ist – und daran habe ich mich nach 30 Jahren hier immer noch nicht gewöhnt. Da hätte ich wohl den „Vertrag für Einwanderer“, den die konservativen Politiker bei den letzten Wahlen auch hier vorgeschlagen haben – „Spanische Sitten und Gebräuche akzeptieren“- eigentlich nicht erfüllt… Das wäre mir in der Pilgerherberge nicht passiert, da hätte ich eine Gruppe gefunden, mit der ich dort oder in einem Restaurant gemeinsam gegessen hätte…

Beim Abendessen sind wenige Pilger im Saal des Hotel-Restaurants, aber dafür einige Paare junger Eltern mit vier-sechsjährigen Kindern, die nicht müde zu werden scheinen, obwohl es schon nach 10 war. Ich bin dann in den Salon im ersten Stock an den Laptop gegangen, wo man kostenlos ins Internet kommt, habe den Blog eröffnet und zu schreiben begonnen. Nach kurzer Zeit kam eine Invasion: die Eltern sind auf die Ideee gekommen, einen Film für die Kinder am Fernseher abzuspielen. Jetzt höre ich den Filmton all zu laut hinter mir. Die Kinder hat der Film auch einige Zeit gefesselt, aber jetzt laufen sie wieder durchs ganze Haus, keine Eltern in Sicht- oder Hörweite, sicher nicht mehr lange. Es ist 23.20 Uhr, sie müssen immer noch nicht ins Bett. Beneidenswerte Freiheit für Kinder oder Vernachlässigung? Aber so bin ich nicht allein in diesem Raum, muss auch ab und zu über die Bemerkungen und Reaktionen der Kinder lachen.

Jetzt bin ich müder als sie. Muss schlafen gehen, Frühstück gibt es ab acht Uhr, das ist spät für Sommerpilger, aber ich brauche ja nicht schon am Mittag in der nächsten Herberge zu sein, um noch einen Platz zu ergattern und heiß wird es morgen sicher auch nicht. Also Schluss für heute!

Und bis bald!

Zur zweiten Etappe

Kategorien: Camino de Santiago · Chemin de St. Jacques · St. James Way · way of Saint James
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